THOMAS WEGNER

Thomas Wegner

5. Februar 1946 - 20. Dezember 2016

Am 5. Februar 1949 erblickte der zweite Sohn von Frida und Rudolf Wegner das Licht der Welt. Nach einer gemäßigt erfolgreichen Schulkarriere an der "Hegepenne" in Hamburg und dem durch den Stimmenbruch verursachten frühen Ausstieg aus dem Knabenchor, mit dem er mit Luciano Pavarotti (Turandot) und für Mozarts Zauberflöte auf der Bühne stand, widmete Thomas sich der Unterhaltungselektronik. Er fing an, Nachtclubs in Hamburg mit seinen Musikanlagen auszustatten. Ganz zum Leid von Frida, die sich über den Zigarettenschmutz in ihrer Geschirrspülmaschine ärgerte, mit der Thomas die Lautsprecherverkleidungen wusch. Bis 1972 sind drei-viertel aller norddeutschen Diskotheken mit Wegner-Anlagen bestückt. 

Thomas Wegner gründete 1974 Scope Electronics, eine Importfirma englischer HiFi Produkte.

Ein Jahr später gründet er außerdem das Einzelhandelsunternehmen SCHAULANDT am Gänsemarkt in Hamburg - mit großem Erfolg, der erste Jahresumsatz konnte sich sehen lassen.

1977 wurden die Geschäftsräume am Gänsemarkt an McDonalds verkauft und die Filiale in Nedderfeld wird eröffnet. Die Testzeitschrift Audio: "hier bringt HiFi kaufen Spaß". 1981 entsteht der berühmt-berüchtigte Kubus an der BAB-Ausfahrt in Harburg. 

1983 kappt Schaulandt die letzte überflüssige Handelsstufe und übernimmt den Vertrieb von Scope Electronics: Quad, KEF, Wharfedale und Rotel werden nun exklusiv 20-50% günstiger verkauft - "Witwen wollen Wharfedale"lautete einer der vielen Werbungen damals. In diesem Jahr wird auch Düsseldorf mit einer Schaulandt Filiale beglückt, läuft aber schlecht an. Der Katalogversand beginnt. Im Hamburger Elbtunnel organisiert Thomas ein Strawinsky Konzert. Ein Jahr später läuft es mit der Erweiterung in Düsseldorf in der Graf Adolf Straße endlich gut. 

 

1985 ist das Kulturspektakel Bizets "Carmen" im Hamburger Tropenhaus. Hunderte Monitore und Lautsprecher werden zwischen exotischen Pflanzen installiert.

1986 eröffnet Schaulandt "Danmarks billigste HiFi-Video-Center ligger i Flensborg", eine Konsumkathedrale an der deutsch-dänischen Grenze. Im "Stern" 6/86 posierte der Versandleiter von Schauland als Modell und flapste: "An meine Ohren lasse ich nur Wasser und CD." Ein Witz über den die Deutsche Unilever GmbH nicht lachen konnte, denn sie sah diesen Werbespruch als "sittenwidrige Anlehnung an unseren Slogan" - bei der Unilever-Tochter Elida-Gibbs worb man bereits seit 1972 mit "An meine Haut lasse ich nur Wasser und CD." Thomas ließ sich jedoch von den Unilever-Juristen nicht verschrecken und antwortete an die "liebe Frau Gips", dass er sich "an den Kopf fassen" müsse, denn "es gibt zwar HiFi-Freaks, die behaupten, dass der CD-Klang unter die Haut gehe", aber weil das keiner verstehe, wäre Unilever besser mit dem Slogan "An meine Haut lasse ich nur Wasser und Gips" bedient. Gleichzeitig informierte er die Presse über "die Tragweite des sich hier anbahnenden Skandals" und bat "um öffentlichen Beistand". 

Mit insgesamt 14 Filialien in Norddeutschland verkaufte Thomas 1987 drei-viertel der Schaulandt GmbH-Anteile an den Hertie Konzern. Im selben Jahr gründet er die T.W.-Stiftung. Wenig später steigt er ganz aus dem Unternehmen aus und widmet sich fortan vollkommen der Kunst und Kultur. 

1989 eröffnete er das "Weisses Haus", die erste Galerie für Medienkunst Deutschlands mit einer Soloausstellung des "Vaters der Videokunst" Nam June Paik. Weitere Ausstellungen wurden bis 1995 mit Künstlern wie Marie-Jo Lafontaine, Fabrizio Plessi, Thorbjørn Lausten, Bernhard Leitner, Stephan von Huene, Klaus vom Bruch, Ingo Günther, James Turrell, Ulrike Rosenbach, Giovanni Albanese, und Yvonne Goulbier ausgetragen. 

1993 landete er mit dem Mammutprojekt MEDIALE einen Coup: trotz heftiger Kritik an die kommerzielle Ausrichtung des Medienkunstfestivals, wird Hamburg mit der Unterstützung und Mitwirkung aller kulturellen Institutionen zum Schauplatz eines riesigen Kunstspektakels: unter dem Motto Medienkunst und Medienzukunft bringt Thomas die führenden Marken aus der Industrie, Hamburgs Kulturhäuser und bekannte Künstler wie Nam June Paik, James Turrell, Marie-Jo Lafontaine, Marina Abramovic, Robert Wilson, Fabrizio Plessi, Shigeko Kubota, Jannis Kounellis und viele mehr zusammen. Es sollte das erste und letzte Medienkunstfestival dieser Art bleiben.

In den späten 1990gern setzt sich Thomas auf Mallorca nieder und entwirft selber minimalistische Bauten, die im östlichen Teil der Insel realisiert werden. Noch heute können sich Design- und Architekturmagazine für sie begeistern. 1996 veranstaltet er die erste Ausstellung mit Medienkunst im balearischen Raum - die Art Medial. 

Ab den 2000-Jahren wird es etwas ruhiger um Thomas. Er verbringt Zeit mit seinen vier Töchtern, richtet kleine und größere Konzerte aus, und genießt den Luxus tun zu können, was er will. Er baut "Morgana", ein verwunschener Feengarten" in dem weiter musiziert und gefeiert wird.

2016 verstirbt Thomas in Hamburg mit 68 Jahren. Beim Ausfüllen seiner Sterbeurkunde bekommt der behandelnde Arzt einen kleinen elektrischen Schlag, verursacht von einem Spaßstift von Thomas Schreibtisch. Wenige Stunden später trifft eine neue Klobrille per Post ein. Die Familie und seine Freunde trauern um ihn, sind aber getröstet in dem Wissen, dass Thomas Wegner sich immer und zu jederzeit in vollen Zügen ausgelebt hat. 

 

 

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